Aktuelles November 2009

 

"Zinneberg war meine Heimat" - "Besuch der alten Dame"!

73 Jahre sind es her, dass Lieselotte Eitrich Schloss Zinneberg das erste Mal sah. Als Kind kam sie 1936 zu den Schwestern vom Guten Hirten, nachdem die Pflegeltern aus Krankheitsgründen sich nicht mehr um das Kind kümmern konnten. Und so begann die Zinneberger Geschichte "der Lotte". Den schlimmen Großbrand hat sie in Zinneberg erlebt und überlebt ("Beinah hätt man mich vergessen, weil ich so klein war!") genauso wie den Kriegsausbruch und die Evakuierung nach Traunstein von Zinneberg aus, nachdem dort ein Lazarett untergebracht wurde. Die Haushaltungschule absolvierte sie in Zinneberg und nach Jahren der Abwesenheit, in denen sie sich der schwerkranken Pflegeltern annahm, kehrte sie wieder nach Schloss Zinneberg zurück, um sich zur Damenschneiderin ausbilden zu lassen. Ein wahres "geschichtliches Zinneberger-Schatzkästchen" ist Frau Eitrich. Am 26.November konnten wir mir ihr einen Nachmittag verbringen. Kaffee und Kuchen war Nebensache an diesem Nachmittag. Gebannt hörten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einige Jugendliche den Geschichten von Frau Eitrich zu. So z.B. welche Feste gemeinsam gefeiert wurden, wie die Freizeit verbracht wurde, wie der Tagesablauf ausgesehen hat oder ob es Ferienfahrten gab  ("Mei, da san mir mit der Schwester einmal im Jahr nach Glonn ganga oder in den Wald zum Beerensammeln. Hin und wieder auch nach Sonnenhausen zum Kartoffelklaubn"). "Haben Sie damals auch einen Freund gehabt?", fragte eine Jugendliche. "Na!", kam es wie aus der Pistole geschossen. "Wenn mir spaziern ganga san und da sind junge Burschen daher gekommen, hat es geheißen: 'Augen nach links!' oder wenns von links daher gekommen sind 'Augen nach rechts!'" "Mein Mann ist mir dann später über den Weg gelaufen!", sagte sie. Das konnte Steffi, die Fragestellerin, nun gar nicht einordnen. "So war es halt", sagte Frau Eitrich, "aber deswegen ist die Welt nicht untergegangen". Wie auch für sie "die Welt nicht unterging" trotz vieler Entbehrungen, die die Kriegszeit mit sich brachte und auch wegen der damaligen Pädagogik, wo sicher manches heute fremd anmutet. Küchenchef, Bernhard Hinterseher, interessierte natürlich besonders der Speisenplan der damaligen Zeit: "Es war Kriegszeit und das wichtigste war - wir sind immer alle satt geworden. Brotsuppe war unser Früstück, ansonsten gab es einmal die Woche Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, "an Griaßbrei und an Festen Butter mit Margarine und Honig vermischt zum Brot". Die schönste Zeit für Lotte Eitrich war der Advent und Weihnachten "damals". "Jetzt werd ich gleich sentimental", sagte sie, aber das konnte jeder verstehen und auf die abschließende Frage, was das Schönste für sie an Zinneberg war, antwortete sie: "Es war meine Heimat...und ich konnte immer wieder zurück kommen!" Kommen Sie noch oft zu uns, liebe Lotte! Zinneberg bleibt Ihre Heimat!

Frau Lotte Eitrich erzählt aus ihrer Zinneberger Geschichte. Jugendliche hörten ihr gespannt zu.

50 Lehrlinge zum Erfolg gebracht!

Eine Zahl, hinter der sich Jahre des Lernens, des intensiven Begleitens, des Bangens, zeitweise des Ärgerns und Haderns, aber auch viel Optimismus und Hoffnung in junge Menschen steckt. Unzählig viele Momente konnte Brigitte Pfatrisch in ihrer 14jährigen Tätigkeit auf Schloss Zinneberg als Ausbildungsleitung erfahren und durchleben. Mit Recht kann sie stolz sein auf "diese stattliche Ausbeute", die darin besteht, wesentlichen Anteil zu haben, dass nahezu 50 junge Menschen ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin bzw. zur Hauswirtschaftstechnischen Helferin erfolgreich absolvieren konnten unter der Leitung von Frau Pfatrisch. Jetzt wird sich Frau Pfatrisch einer "privaten Erziehungs- und Ausbildungstätigkeit" widmen, denn am 9. Nov.09 trat sie ihre Mutterschutzzeit an. Kolleginnen und Kollegen sowie die Auszubildenden trafen sich zum Abschluss ihrer Tätigkeit nochmals in "ihrem Reich", d.h. in der so genannten Lehrwerkstatt, eine Art "Trainingslager", wie sie es gerne bezeichnete, um ihr bei einem Umtrunk, bei einer Power-Point-Präsentation zum Thema "Echt Boarisch!" (Frau Pfatrisch ist Meisterin im Bayerisch-Sprechen!) und einem umfunktionierten Wiesnschlager, vorgetragen von Ausbilder Bernhard Hinterseher, zu danken für all ihren Einsatz. Dieser war stets gekennzeichnet von Echtheit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein! Ein herzliches Danke!

Nachfolgerin von Frau Pfatrisch wird Irmgard Rieger, die als Hauswirtschaftsmeisterin schon viel Erfahrung im Ausbildungsbereich mitbringt. Ihr Gottes Segen für den Anfang!

Brigitte Pfatrisch (rechts) übergibt ihre Aufgabe an Irmgard Rieger (links): Junge Menschen zu einem guten beruflichen Abschluss zu verhelfen.

 

VBO im BVJ?? Klar: Ein Weg, der Zukunft verspricht!

Schon zum dritten Mal wählte sich die Agentur für Arbeit Schloss Zinneberg als Kooperationspartner um eine vertiefte Berufsorientierung (VBO) für Jugendliche im Rahmen der Berufsvorbereitungsjahre (BVJ) in den Schwerpunkten Bäckereifach/Gartenbau/HW und Pflege/Gastronomie durchzuführen. Bei dieser Maßnahme geht es darum, junge Menschen durch die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen in die Arbeitswelt einzuführen. Neben dem schulischen Unterricht finden an drei Tagen Praktika statt - intern in den Werkstätten des Kloster Zinneberg (z.B. in der Bäckerei, im Garten, in der Großküche) und/oder außerhalb in verschiedenen Betrieben des Landkreises.  Die SchülerInnen werden in diesen Praktika von sozialpädagogischen Fachkräften begleitet, die ihnen helfen sollen ihr Verhalten in der Arbeitswelt zu überprüfen und die bei Konflikten vermitteln. Fähigkeiten wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Einsatzbereitschaft und anderes werden im Rahmen der VBO intensiv trainiert. Theresia Härtter und Helmut Rausch von der Arbeitsagentur München bestätigten die sehr gute Zusammenarbeit mit Schloss Zinneberg und freuten sich über die Erfolge, die diese Maßnahme in jedem Schuljahr hervorbringt: bis zu 90% Vermittlungsquote in Ausbildungsberufe am Ende eines BVJ's.

Foto: Gerneth

Helmut Rausch und Theresia Härtter, Arbeitsagentur München, bei der Vertragsunterzeichnung mit Sr. Amica, Trägervertretung und Sr. Christophora, Einrichtungsleitung. Im Hintergrund von links: Ausbilder Bernhard Hinterseher und drei "Ehemalige" aus den Berufsvorbereitungsjahren: Maricarl. Steffi und Matthias.

Im Rahmen der Vertragsunterzeichnung kamen diesmal ehemalige AbsolventInnen sowie deren Ausbilder und Eltern zu Wort, um über ihre Erfahrungen mit dieser Maßnahme zu berichten...und den beiden KollegInnen von der Arbeitsagentur zu zeigen, dass jeder Euro sinnvoll in dieses Projekt gesteckt ist. Nachfolgend die Meinung einer Mutter, deren Sohn diese Maßnahme auf Schloss Zinneberg durchlief und jetzt in einem Ausbildungsverhältnis zum Beikoch steht.

"Das BVJ in Zinneberg, das so viel für uns veränderte!

Das BVJ in Zinneberg war für uns das Beste, was uns passieren konnte. Durch die Hauptschule, in der das Projekt Zinneberg vorgestellt wurde und durch die Arbeitsagentur, sind wir darauf aufmerksam geworden. Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl dabei, was sich auch nach ersten Gesprächen bestätigte. Unser Sohn hat in diesem Jahr einen erheblichen Sprung in seiner persönlichen Entwicklung gemacht. Er ist viel selbstbewusster geworden, hat sich immer mehr geöffnet, sich weniger zurückgezogen, hat wieder gelernt fröhlicher zu sein. Das ist auch unserem Umfeld aufgefallen. In der Schule hat er neue Freunde gefunden und ist auch von allein auf andere zugegangen. Es war für mich als Mutter eine sehr große Erleichterung, ihn nach der ständigen Niedergeschlagenheit wieder glücklich zu sehen. Dies konnte man auch an seinen Zeugnissen erkennen. Jetzt hat er eine Ausbildung in Zinneberg als Beikoch begonnen. Unser Sohn hat durch das BVJ neuen Mut gefunden und sich Ziele gesetzt, die er nun in seinem Leben erreichen möchte. Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Weg in Zinneberg gehen konnten."